Review

"Es ist jetzt fast zwei Uhr morgens und wir sind immer noch isoliert in diesem Gebäude eingeschlossen, in das wir die Feuerwehrmänner zu Beginn der Nacht begleitet haben."

Im Zuge der Dokumentationsreihe “Während Sie schlafen” recherchieren Kameramann Pablo und Moderatorin Ángela (Manuela Velasco) auf einer Feuerwehrwache. Als nach einem eher belanglosen Tag am Abend ein Notruf eintrifft und die beiden Feuerwehrmänner Manu (Ferran Terraza) und Álex (David Vert) ausrücken, begleitet das zweiköpfige Dokumentationsteam die beiden. Am Einsatzort erfahren die Feuerwehrmänner von den Einwohnern eines Mietshauses, dass diese aus der Wohnung einer älteren Dame schreckliche Schreie gehört haben. Mit zwei Polizisten brechen sie die Wohnung auf und werden von der blutverschmierten Bewohnerin angegriffen, die einen Polizisten durch einen Biss in den Hals schwer verletzt. Noch bevor die Beteiligten Hilfe rufen können ist plötzlich die Gesundheitsbehörde vor Ort, versiegelt das Gebäude und setzt den Ort unter Quarantäne.

Der spanische Horrorfilm "[REC]" übernimmt den bereits in "Blair Witch Project" angewandten Handkamerastil und erzählt die Handlung einer bunt zusammen gestellten Schar von Figuren, die in einem unter Quarantäne stehenden Haus um ihr überleben kämpfen, im pseudo dokumentarischen Stil.
Wie auch schon "Blair Witch Project" und das aktuellere Monster Spektakel "Cloverfield" bemühte man sich besonders um Authentizität und kämpfte augenscheinlich mit Längen die sich, trotz der kurzen Laufzeit von gerade mal 74 Minuten nicht vermeiden ließen.

Die eingangs nötige Charaktervorstellung in Form von Interviews beleuchten die Figuren wenig funktional, somit bleibt der Zugang zu diesen größtenteils verwehrt. Die gleichsam angewandte Taktik an den Einwohnern des Mietshauses offenbart ebenso wenig Aufschlüsselung, verursacht stattdessen Längen im mittleren Teil des Films. Somit wartet man auf eine spannende Auflösung der Ereignisse in der ersten Hälfte, die durchaus neugierig machen, bis zum Schluss. Dieser erweist sich dann als überaschend temporeich und äußerst klaustrophobisch. Die letzten 10 bis 15 Minuten, die einer Achterbahnfahrt gleichen, sind das Highlight des Films, jagen Protagonisten sowie Zuschauer noch einmal durch das gesamte Haus und lassen Urängste, die die Dunkelheit und die merkwürdigen Kreaturen auslösen, aufkommen.
Somit geht das Konzept des Horror-Thrills voll auf, erweist sich durch die stimmungsvolle Inszenierung und dem Mut zur plakativen Darstellung von Blut und Brutalitäten gar ausgeklügelter als "Blair Witch Project", dass sich um keinerlei Auflösung bemüht.

Leider schmälern einige Punkte die grundlegend gute Atmosphäre sowie Glaubwürdigkeit.
So sind es insbesonders massig Logiklöcher die neben dem Grusel die Haare zu Berge stehen lassen. Die Feuerwehrmänner lassen sich immens viel Zeit nachdem der Notruf eingetroffen ist, die Haustür des unter Quarantäne stehenden Gebäudes ist mal von außen verschlossen, dann plötzlich wieder offen, ... Es sind einige Kleinigkeiten über die man sicher hinweg sehen kann, die aber trotzdem negativ auffallen. Ebenso wirkt die Erklärung der Ereignisse im Finale mehr so, als wolle man unbedingt etwas Großes dafür verantwortlich machen.
Häufig geben sich die Darsteller übermotiviert und stellen ihre Figur als übermäßig hysterisch dar. Dies mag anhand der Situation sicher glaubwürdig sein, nervt aber schon nach recht kurzer Zeit und bewirkt absolut keinen Grusel. Zudem ist die Wahl der Schauspieler bestenfalls als zweckmäßig zu bezeichnen. Meist fällt das Schauspiel in einer sehr laienhafte Art aus, da kann auch eine noch so schnucklige Manuela Velasco nichts mehr retten, die selbst ebenso ihre Figur der Reporterin überdramatisiert.

Durch eine sehr gelungene Atmosphäre und dem sehr handlungsnahen Blickwinkel kann "[REC]" sich auf jeden Fall gegen andere Machwerke des Genres behaupten und schlägt meiner Meinung nach den Neuerfinder des durchgängigen "Kameragewackels". Das lieblose Charakterdesign, eine sehr vorhersehbare Handlung sowie diverse Logiklöcher schmälern das Filmvergnügen leider so sehr, dass es widerum beinahe im Mittelfeld verschwunden geht. Demnächst wird George A. Romero's "Diary of the Dead" an den deutschen Start gehen und hoffentlich die gleiche Atmosphäre ohne diese Mängel beinhalten. Ein Ersatz kann eventuell noch das in den USA produzierte Remake "Quarantäne" bieten.

6 / 10

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